Wie Groß Ist Der Wiener Zentralfriedhof? Fakten und Größe des Wiener Zentralfriedhofs

Wer zum ersten Mal durch Tor 2 des Wiener Zentralfriedhofs geht, bekommt schnell ein Gefühl dafür, dass die üblichen Maßstäbe hier nicht ganz funktionieren. Nach ein paar Minuten ist man noch immer nicht wirklich „drinnen“, sondern bewegt sich durch breite Wege, Baumreihen, Seitengassen und ganze Friedhofsviertel. Selbst die Orientierung nach den Grabgruppen braucht etwas Zeit. Genau das macht die Frage nach der Größe interessant: Die Zahl allein erklärt noch nicht, warum sich dieser Friedhof beinahe wie ein eigener Stadtteil von Wien anfühlt.

Die offiziellen Angaben nennen heute eine Fläche von rund 2,4 Quadratkilometern. In anderen Veröffentlichungen wird, je nach Rundung und Berechnungsgrundlage, auch von etwa 2,5 Quadratkilometern gesprochen. Die aktuell bei den Friedhöfen Wien angegebene konkrete Fläche beträgt 2.354.272 Quadratmeter. Dazu kommen mehr als 330.000 Grabstellen.

2,4 Quadratkilometer – was bedeutet das eigentlich?

2,4 Quadratkilometer klingt zunächst nach einer nüchternen Zahl. Um sich die Dimension besser vorzustellen, hilft eine andere Betrachtung: Das Gelände umfasst mehr als zwei Millionen Quadratmeter. Man könnte also nicht einfach von einem großen Friedhof sprechen und damit die Sache erledigen. Der Wiener Zentralfriedhof ist eine weitläufige Anlage mit Straßen, Plätzen, unterschiedlichen Abteilungen und einer Vielzahl einzelner Bereiche, die sich teilweise deutlich voneinander unterscheiden.

Gerade beim ersten Besuch fällt auf, wie viel Raum zwischen den eigentlichen Grabstätten liegt. Die Wege sind nicht nur schmale Pfade, sondern teilweise richtige Straßen. Dazu kommen Grünflächen und alter Baumbestand. Das Gelände wirkt deshalb weniger wie eine dicht bebaute Ansammlung von Gräbern als wie eine große Parklandschaft, in der die Grabfelder eingebettet sind. Die Friedhöfe Wien beschreiben den Zentralfriedhof entsprechend nicht nur als Begräbnisstätte, sondern auch als Parklandschaft mit einer bemerkenswerten Flora und Fauna.

Wer sich für Zahlen interessiert, sollte außerdem aufpassen, welche Zahl gerade gemeint ist. 2,4 km² bezeichnet die Fläche, während die Angabe von rund 330.000 die Grabstellen betrifft. Das sind nicht 330.000 einzelne Menschen und auch nicht 330.000 nebeneinanderliegende kleine Flächen. Eine Grabstelle kann mehrere Beisetzungen umfassen, und im Laufe der Geschichte haben sich Nutzung und Einteilung des Friedhofs verändert.

Mehr als 330.000 Grabstellen und rund drei Millionen Verstorbene

Noch eindrucksvoller wird die Dimension, wenn man die Zahl der hier beigesetzten Menschen betrachtet. Die Stadt Wien und die Friedhöfe Wien sprechen von rund drei Millionen Verstorbenen, die auf dem Zentralfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Die Zahl ist historisch gewachsen und beschreibt deshalb etwas anderes als die Zahl der heute vorhandenen Grabstellen.

Diese Größenordnung erklärt auch, warum der Zentralfriedhof nicht einfach wie ein gewöhnlicher Stadtfriedhof funktioniert. Wer eine bestimmte Grabstätte sucht, sollte nicht davon ausgehen, sie beim Spaziergang zufällig zu finden. Die Gruppen- und Reihenangaben sind hier tatsächlich hilfreich. Für Besucher gibt es detaillierte Pläne, und die Friedhöfe Wien stellen inzwischen auch einen digitalen Guide mit Navigation und thematischen Rundgängen bereit.

Das ist einer dieser Orte, bei denen eine Karte nicht nur etwas für besonders organisierte Besucher ist. Wenn man etwa ein Ehrengrab gezielt aufsuchen möchte, kann aus einem vermeintlich kurzen Spaziergang schnell eine längere Strecke werden. Auf dem Gelände selbst merkt man erst, wie groß die Abstände sein können.

Warum wurde der Zentralfriedhof überhaupt so riesig angelegt?

Die ungewöhnliche Größe hat viel mit der Entwicklung Wiens im 19. Jahrhundert zu tun. Die Stadt wuchs stark, während ältere Friedhöfe innerhalb beziehungsweise näher an der damaligen Stadtstruktur zunehmend an ihre Grenzen kamen. 1863 beschloss der Wiener Gemeinderat deshalb die Errichtung eines großen Friedhofs außerhalb der damaligen Stadt. Bei der Planung dachte man nicht klein: Wien sollte langfristig zu einer Metropole mit bis zu vier Millionen Einwohnern wachsen.

Der Zentralfriedhof wurde schließlich am 1. November 1874 eröffnet. Entworfen wurde die Anlage von den Gartenarchitekten Karl Jonas Mylius und Alfred Friedrich Bluntschli. Die erste dort vorgenommene Einzelbestattung war jene von Jakob Zelzer; sein Grab ist bis heute erhalten und befindet sich in Gruppe 0, Reihe 0, Nummer 1.

Das ist ein schönes Detail, wenn man vor Ort steht: Hinter den Millionenangaben steckt tatsächlich ein konkreter Anfang. Der Friedhof begann nicht als fertige, geschlossene Welt, wie sie heute wirkt. Er wurde erweitert, verändert und an die wachsende Stadt angepasst. Insgesamt wurde das Areal siebenmal erweitert, zuletzt 1921.

Die Größe sieht man besonders gut an den verschiedenen Bereichen

Ein Grund, weshalb sich der Zentralfriedhof so viel größer anfühlt als manche anderen großen Friedhöfe, ist seine religiöse und kulturelle Vielfalt. Die Anlage ist interkonfessionell. Neben den katholisch geprägten Bereichen gibt es unter anderem evangelische, jüdische, islamische und orthodoxe Abteilungen. Dadurch entsteht kein vollkommen einheitliches Friedhofsbild. Architektur, Grabgestaltung und Atmosphäre können sich von einem Abschnitt zum nächsten verändern.

Hinzu kommen die Ehrengräber. Heute gibt es davon rund 1.000. Hier liegen zahlreiche Persönlichkeiten aus Musik, Literatur, Architektur, Film und dem öffentlichen Leben. Der Zentralfriedhof wurde schon ab 1881 gezielt dazu genutzt, bedeutende Verstorbene von anderen Wiener Friedhöfen hierher zu überführen und ihnen Ehrengräber zu widmen.

Das erklärt teilweise auch den touristischen Charakter des Ortes. Man kommt nicht nur hierher, um eine Grabstätte zu besuchen. Für viele Wien-Reisende gehört der Zentralfriedhof wegen seiner historischen Persönlichkeiten, seiner Architektur und seiner ungewöhnlichen Atmosphäre zu den interessanteren Zielen außerhalb der klassischen Innenstadt.

Kann man den Zentralfriedhof zu Fuß erkunden?

Ja, aber ich würde nicht versuchen, sich an einem einzigen Besuch „alles“ vorzunehmen. Das Gelände ist dafür schlicht zu groß. Wer nur ein oder zwei Stunden Zeit hat, sollte sich vorher überlegen, welche Bereiche wirklich interessant sind. Sonst verbringt man einen erheblichen Teil des Besuchs damit, von einer Gruppe zur nächsten zu laufen.

Hilfreich ist dabei auch der interne E-Bus. Die Friedhöfe Wien setzen seit 2022 einen elektrischen Bus auf dem Zentralfriedhof ein; er fährt täglich ab 10 Uhr. Gerade für Besucher, die bestimmte entfernter gelegene Bereiche sehen möchten, verändert das die praktische Wahrnehmung der Größe erheblich.

Für einen ersten Rundgang würde ich trotzdem einen Teil bewusst zu Fuß machen. Erst dann bekommt man ein Gefühl für die Dimensionen. Man läuft eine Weile an Grabreihen entlang, biegt in einen breiteren Weg ein und stellt irgendwann fest, dass der Eingang schon erstaunlich weit entfernt ist. Diese Erfahrung lässt sich durch eine Zahl kaum ersetzen.

Der Zentralfriedhof ist groß, aber nicht einfach nur „eine riesige Fläche“

Was mich an der Größenangabe besonders interessiert, ist der Unterschied zwischen Fläche und Wahrnehmung. Ein Grundstück von 2,4 Quadratkilometern kann völlig unterschiedlich wirken, je nachdem, wie es genutzt wird. Beim Zentralfriedhof sorgen die alten Bäume, Alleen, Mauern, Gebäude und die unterschiedlichen Grabfelder dafür, dass man die Fläche ständig neu erlebt.

Auch die Friedhofskirche zum heiligen Karl Borromäus trägt dazu bei. Sie wurde nach Plänen von Max Hegele errichtet und 1911 geweiht. Heute gehört sie zu den markantesten Bauwerken des Areals und ist zugleich ein bedeutendes Beispiel des Wiener Jugendstils.

Wer nur auf die Friedhofsfläche schaut, übersieht deshalb einen Teil dessen, was den Ort ausmacht. Der Zentralfriedhof ist eine Mischung aus Begräbnisstätte, historischer Kulturlandschaft, Park und Erinnerungsort. Genau diese Kombination lässt seine Größe so deutlich hervortreten.

Eine Zahl, die man sich für den Besuch merken kann

Wenn mich jemand fragt, wie groß der Wiener Zentralfriedhof ist, würde ich nicht mit einer langen Statistik antworten. Für die praktische Orientierung reichen drei Zahlen: rund 2,4 Quadratkilometer Fläche, mehr als 330.000 Grabstellen und etwa drei Millionen Verstorbene. Die offiziellen Seiten verwenden teilweise 2,5 Quadratkilometer als gerundete Angabe, während die detaillierte Flächenaufstellung 2.354.272 Quadratmeter nennt.

Eine weitere Besonderheit sollte man dabei nicht unterschlagen: Der Zentralfriedhof ist nach den aktuellen Angaben der Friedhöfe Wien der zweitgrößte Friedhof Europas; größer ist der Hamburger Friedhof Ohlsdorf.

Beim Lesen dieser Zahlen bleibt der Friedhof zunächst abstrakt. Vor Ort wird daraus etwas anderes. Dann geht es plötzlich nicht mehr um 2,4 Quadratkilometer, sondern um einen Weg, der länger dauert als gedacht, um eine bestimmte Grabgruppe hinter einer weiteren Baumreihe oder um den Moment, in dem man merkt, dass die Geräusche der Stadt fast verschwunden sind.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Besonderheit des Wiener Zentralfriedhofs. Seine Größe ist beeindruckend, aber sie ist nicht das Interessanteste daran. Erst wenn man sich darin bewegt, versteht man, weshalb dieser Ort trotz seiner Millionen von Gräbern nicht nur überwältigend, sondern stellenweise erstaunlich ruhig wirkt. Wien hat hier einen Raum geschaffen, in dem sich Stadtgeschichte nicht hinter Glas oder in Vitrinen befindet, sondern unter Bäumen, entlang alter Wege und in Namen, die man manchmal erst nach Jahren wiedererkennt.

Illustrationen und Bilder: Magnific (https://www.magnific.com)


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